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Sie brauchen eigene Drogen

Schaltkreise der Motivation

Eigene Drogen im agilen Kontext motiviert (be-) nutzen. 

Ein beglückendes Gefühl - als nächste Stufe Orgasmus: Ein Stück oberleckeren Kuchen oder die Edelbitter-Schokoladen-Creation mit Chili-Kirsch-Füllung, natürlich 80% Kakao. Es geht auch einfacher: Das Kaltgetränk, die Erleichterung, und sei es nur Wasser, nach dem Sport oder das Bedürfnis nach der mentalen Ruhe (Medidation, “Wasser-starren” oder im Wald "Bäume zählen") nach einem echt stressigen Arbeitstag. Halt: Was hat das mit Change oder Agile zu tun? Sehr viel und lesen Sie selbst - insbesondere bis zum Schluss.

Wo kommt es her: Schaltkreise und Intrinsik?

Ein typischer Ablauf

Wer schon einmal eine Diät gemacht hat, kennt das: Den ganzen Tag hat man tapfer durchgehalten, und dann sitzt Freund / Freundin gegenüber und vernascht ein Stück Schokoladenkuchen. Köstlich. Die Gier schlägt zu und schon stellt sich ein brennendes Verlangen nach dem saftigen süßen Gebäck ein. Widerstand ist zwecklos – zumal das „verbotene“ Naschwerk umso verführerischer wird, je länger man versucht, sich gegen die Verführung zu wehren, die Ratio gerät unter heftigen Beschuss. Sie wollen sich belohnen (für den Verzicht), aber genau diese kurzfristige Belohnung gefährdet das langfristige Ziel - warum machen Sie diese Diät?

Unterbewusst spielen Belohnungen bei jedem Menschen eine wichtige Rolle und ein Widerstand ist fast zwecklos: Die Hirnforscher haben belegt, dass im Gehirn jedes Menschen zumeist unbewusste Belohnungsprozesse, die in der evulotorischen Entwicklung fussen, ablaufen. Und nun kämpfen Sie mal schön gegen sich selbst … und die Iteration (Agile) lässt grüßen. 

Wenn wir also verstehen, wie genau dieses Belohnungssystem funktioniert, können wir es besser zum Vorteil in der Sache beeinflussen. Wie funktioniert es also genauer?

Dies geschieht, indem wir bei Belohnungen Hochgefühle oder Wohlbefinden erleben und durch diese Erfahrung dazu animiert werden, dieses Erlebnis zu wiederholen. Zum Beispiel wenn wir etwas besonders Leckeres essen, eine Aufgabe erledigt haben, mit einem uns wichtigen Menschen eine schöne Zeit haben oder uns verlieben. Ebenso Zuspruch und Bestätigung gehören dazu. Wir versuchen dann,diese Erfahrung zu wiederholen. Das kann auch passieren, wenn wir, um wieder etwas näher an agile Methoden rücken, einen Scrum-Sprint ‘jit’ abgeschlossen und die Produktdemo nicht nur erfolgreich, sondern auch mit Zuspruch des Endkunden (oder Steakholders) gelaufen ist. Hier an dieser Stelle erfährt die Weisheit: “Wann haben Sie zuletzt Ihr Kind gelobt?” irgendwie eine weitere Sichtweise. Das traurige daran ist, dass wir Deutschen, ist bewiesen und belegt, Meister im Jammern und Nörgeln sind. Das gibt mir (schwer) zu denken.

Das Wichtigste in Kürze, 1-3

Die Wirkung des Systems - dahinter (1)
So in etwa und ziemlich genau dran: Das Hirn will Belohnung, wie amerikanische Wissenschaftler bereits 1954 entdeckten. Verantwortlich dafür ist das mesocortikolimbische System im Kopf, ein weit verzweigtes Netz aus Hirnarealen und Neuronen und funktioniert wie ein Schaltkreis: In der Großhirnrinde entsteht ein Bedarf, also die Nachfrage oder Verlangen. Gibt man diesem nach, gehen Signale unter anderem an das limbische System und den Hippocampus und zuletzt an die Großhirnrinde – als die Rückmeldung, dass der Befehl ordnungsgemäß ausgeführt wurde. Der wichtigster Mitspieler im System ist das Dopamin. Es generiert das Verlangen und eine Erwartung (nach Belohnung) und ist damit ein wichtiger Motivator. Dopamin, eine chemische Substanz, die auch gerne als Botenstoff genannt und verwendet wird, wird bei diesem Prozess erst ausgeschüttet und dann aber auch recht zügig vom Körper wieder abgebaut. Der Beweis ist einfach: Können Sie sich 2 Std. lang freuen? Oder das momentane Glücksgefühl nach … dem Sex. Keine Sorge, nicht dieses als solches, sondern das, was dieser auslöst. Schon mal aktiv danach auf die Uhr gesehen und die realistische Zeit genommen? Es sind, leider, nur Minuten. Das ist die im Volksmund gemeinte Sucht, die fälschlicherweise nicht von ‘suche’ abstammt, sondern von siechen, dem Siechtum (schleichender Ver- oder Zerfall). Sucht ist, wenn dieser ‘Pegel’ abfällt oder nicht gedeckt ist. Gut, das das hier korrigiert ist. Etwas sehr ähnliches geschieht, wenn wir in der oder nach erledigter Arbeit, die richtig rund lief, fertig sind und uns an dem Ergebnis erfreuen.
Belohnungssystem im Wandel (2)

Das Belohnungssystem im Hirn verändert sich im Laufe des (fortschreitenden) Lebens. Fakt: Eindrücklich zeigt sich das auf einem Zeitstrahl links in der Pubertät und rechts im Alter. Jessica R. Cohen von der University of California in Los Angeles bewies, dass junge Menschen in der Pubertät besonders viel Dopamin in ihrem Striatum ausschütten, wenn sie riskante Handlungen erfolgreich abschließen. Das motiviert sie dazu, sich in ähnlichen Situationen erneut zu versuchen – und erklärt das merkwürdige, irrationale und risikobetonte Verhalten von Teenagern. Es ist noch nicht so lange her, da gab es in Berlin einen irrwitzigen Sport: S-Bahn Surfen. Es mussten junge, aber tote Menschen beklagt werden. Würde Sie (selbst) derartiges heute tun?

Ursache der hohen Dopamin-Ausschüttung im Gehirn der Jugendlichen ist nach Ansicht der Forscher der massive Umbau des Gehirns in der Pubertät. Er setzt manche Kontrollmechanismen für einige Zeit außer Kraft, während andere noch nicht vollständig aufgebaut sind. Es ist tatsächlich eine Art Loch - und mit Löchern ist schlecht denken - zum Glück wachsen diese wieder zu.

Im Alter wandelt sich erneut die Reaktion des Gehirns auf Dopamin, wie Forschungen von J.C. Dreher vom Institute des Sciences Cognitives in Bron (France) und Karen Berman vom National Institute of Mental Health in Bethesda, USA. Die Forscher ließen ‘Testlinge’ zwischen 25 und 65 Jahren zu einer Simulation antreten, bei dem diese finanzielle Belohnungen gewinnen konnten. Dabei wurden bei den Probanden die Gehirnaktivität per Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) aufgezeichnet.

Es zeigte sich, dass in allen Altersgruppen und je nach Belohnung etwa gleich viel Dopamin ausgeschüttet wurde - natürlich korrigiert um die gausssche Normalverteilung, aber das Ergebnis war repräsentativ. Das eigentliche Ergebnis in einem Quer-Check war, das das Gehirn der älteren Teilnehmer weniger intensiv darauf regierte als das der jüngeren. An dieser Stelle fällt mir die Ableitung leicht, dass mit zunehmenden Alter die externe Erfahrung (in der Arbeitswelt), aber auch die interne Erfahrung (im Umgang mit sich selbst) mit den Dopamin-Flutungen besser, weiser und umsichtiger umgehen kann. Der Spruch: “Traue keinem Scrum-Master unter 40!” bekommt hier eine weitere Bedeutung.

Vor allem der präfrontale Cortex (Die größte Hirnstruktur des Menschen ist der Stirn– oder Frontallappen – er nimmt den gesamten vorderen Teil des Cortex bis zur Zentralfurche ein. Viele Autoren verorten hier die höheren geistigen Funktionen des Menschen, manche bezeichnen ihn gar als den Regisseur im Gehirn, als Träger unserer Kultur und überhäufen ihn mit weiteren Superlativen. Und tatsächlich, obwohl große Bereiche des Frontallappens motorische Aufgaben haben, wird dessen vorderster Bereich, der präfrontale Cortex – kurz PFC – immer wieder im Zusammenhang mit Aufmerksamkeit, Nachdenken, Entscheidung und Planung genannt und gilt als Sitz der Persönlichkeit. Bei solch gewichtigen Funktionen wundert es nicht, dass der PFC die Struktur im menschlichen Hirn ist, die am meisten Zeit für ihre Entwicklung braucht: bis zu 25 Jahre dauert es, bis er völlig ausgereift ist.)

Jüngere ‘Testlinge’ zeigten mit steigender Dopamin-Ausschüttung eine höhere Aktivität in diesem Bereich. Bei den älteren beobachteten die Wissenschaftler einen schwächeren bis gegenteiligen Effekt: Je höher der gemessene Dopaminspiegel, desto weniger aktiv war diese Hirnregion. Es scheint, als ob der Neurotransmitter im Alter mit seiner Wirkung verpufft und somit ins Leere läuft. Die Vermutung liegt nahe, dass ältere Menschen Verlangen und positive Erwartungen nicht mehr so intensiv erleben wie in jüngeren Jahren. Das kann man so im Raum stehen lassen und dazu möchte ich gerade in Hinblick auf Agilität einen weiteren Gedanke ins Spiel bringen. Mit zunehmenden Alter sinkt die kurzfristige Risikobereitschaft (hohe Risikobereitschaft = Auswirkungen eines Risikos sind mangels Erfahrungen noch nicht so oder für eine langfristiges Wirken bekannt); im geringeren Alter ist die hormonelle Spontanität grösser. Der Volksmund kennt das unter dem Begriff: “Hörner abstossen”. Immer wieder spannend, was an Wissen (schon vorher) da war.

Dopamin, Belohnung und Lernen (3)

Hunger und Durst sind elementare Lebensbedürfnisse, also existenziell, die ‘Sucht’ nach Anerkennung rückt in letzter Zeit immer mehr in den Vordergrund. Wird das verwehrt, gibt es entweder körperliche oder geistige / emotionale Probleme. Werden sie befriedigt, stellen sich Glücksgefühle ein, die leider weder speicherbar sind sondern lange anhalten. Hier hat die Evolution einen ausgeklügelten Schutz eingebaut: Glücksgefühle sowie der Zustand ‘satt’ machen zufrieden, aber träge. Und Trägheit in der Evolution unserer Geschichte war der beste Garant dafür, unterzugehen oder gefressen zu werden. Somit hat die Evolution schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb unserer Spezie hier die Agilität des schnellen Zerfalls dieser Gefühle gebaut. Das ist raffiniert.

Mit den Glücksgefühlen gilt auch für andere Bereiche: Wir sehnen uns nach Sexualität und dem Anblick von geliebten Menschen genauso wie nach der Dopamin-Droge selbst. Wir suchen den Kick einer Achterbahnfahrt, beim Extremsport oder durch neue Erfahrungen, auch bei der Arbeit. Und jede Iteration (bei der Arbeit mit agilen Methoden) bringt davon reichlich. Gut ist, wenn aus diesen über die Retro auch zielgerichtet gelernt wird. Wir planen unser Leben und schuften für Haus, Kinder, Partner, die große Weltreise oder die Liason – immer in der Hoffnung, am Ende endlich glücklich zu sein. Es gibt kein Ende! Lesen Sie nochmal von oben: Sie werden jetzt bestimmt verstehen, dass das ein konditionierter Planungstrugschluss ist. Gruß, Hamsterrad!

Das stets vorhandene Bedürfnis und die Aussicht auf Belohnung motivieren zum Handeln. Dafür sorgt das neuronale Belohnungssystem im Gehirn. Empfinden wir Freude oder Glück, wird das Denkorgan von Botenstoffen durchflutet. Das schafft Wohlgefühl und lässt Menschen agieren – oder stürzt sie in Sucht, Siechtum und tiefes Unglück, gerade weil sie Ihre Droge nicht bekommen.

Bis zur Erschöpfung

Auf der Suche nach dem Kick

Schon 1954 und nur durch eine Zufall wurde dieses System entdeckt. Die US-Forscher James Olds und Peter Milner vom California Institute of Technology hatten für Experimente Laborratten auf dem Tisch – sie wollten neue Erkenntnisse über Lernprozesse gewinnen. Sie pflanzten den Ratten eine Elektrode ins Rattenhirn. Auf Knopfdruck gab diese leichte elektrische Ströme in das Hirn ab. Die Frage, wie und mit welchen Auswirkungen wird das Rattenhirn stimuliert, sollte beantwortet werden.

Doch als die Forscher bei einem Tier die Elektrode versehentlich im in einem falschen Areal anbrachten, folgte ein Überraschung: Immer wieder kehrte diese Ratte an den Ort des Geschehens. also die Ecke im Testaufbau, in der sie den Stimulus bekommen hatte, zurück – selbst noch am nächsten Tag. Die erste Vermutung war: Sie auf weitere Stromschläge - nur warum?

Es wurde auf Basis dieser Beobachtung weiter geforscht und eine valide Gewissheit erarbeitet. Olds und Milner setzten ihre Ratten in eine Skinner-Box, einen speziellen, weitgehend leeren Käfig, den Forscher bei Untersuchungen nutzen, wenn sie beobachten wollen, wie die Tiere in der Box eine neuartige Verhaltensweise lernen. In diesem Fall enthielt der Käfig einen Hebel, den die Ratten selbständig betätigen konnten. Drückten sie ihn, so verpassten sie sich durch die eingepflanzte Elektrode selbst einen Stromschlag. Das Ergebnis war bemerkenswert.

„Alleingelassen mit dem Apparat, stimulierte das Tier nach 2-5 Minuten Lernzeit das eigene Gehirn regelmäßig etwa alle fünf Sekunden“, erläutert Forscher Olds seine Experimente einige Jahre später. Die Nager empfanden diese elektrische Stimulation, die sie selbst(!) auslösten, offenbar als angenehm, so wie eine Belohnung. Und das wiederum verstärkte das ‘erlernte’ Verhalten, den Hebel zu drücken – immer wieder, bis zur absoluten Erschöpfung. Eine Endlosschleife und bemerkenswert: Selbst angebotenes Futter direkt in der Box, ohne jede Einschränkung, ließen sie unbeachtet. Einige Ratten brachen sogar zusammen, weil sie, anstatt ihren Grundtrieb, Fressen und Trinken, zu befriedigen, lieber den Glückshebel drückten. Hier lässt sich für die Kommunikation und jede Agilität etwas erstaunliches ableiten.

Ein vorläufiges Fazit

Sicht auf Arbeit (agile, geile Zeit)

Weder harte Arbeit noch eine geile Freizeit (-Gestaltung, achten Sie auf die Wortwahl), können glücklich machen. Schafft es ein jeder, die Agilität im Kopf (und das Hirn unterscheidet nicht zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit) für sich zu nutzen, also zu verstehen, dass jeder für seine eigenen Drogen (und den Auswirkungen daraus) selbst der Organisator, Beschaffer und auch Konsument, also verantwortlich ist, sind wir alle (gerade auch bei der agilen Arbeit) einen ordentlichen Schritt weiter.

 

Arbeit kann, muss aber nicht

Tauschen Sie bei ‘harte Arbeit’ und ‘tolle Freizeit’ die Attribute mal aus: “Geile Arbeit” und “harte Freizeit” - Sie haben bestimmt ein anderes Bild im Kopf. Arbeit kann Spass machen und Freizeit muss demzufolge hart abgegrenzt werden - siehe oben. Unstrittig ist mittlerweile: Wenn im Kopf etwas passiert, also Strom, Impulse, Botenstoffe usw. (wie Gedanken, Ideen, Lösungen), dann ist das für den Kopf immer Arbeit (Beweis: Das Hirn ist der ‘Muskel’, der bis zu 20% unserer täglich zugeführten Energiestoffe (Nahrung) verbrennt). Entscheidend ist, was SIE daraus machen und WIE Sie damit umgehen.

Das Belohnungssystem geht immer - mit

Die Funktionsweise dieses Systems

In den folgenden Jahren und viele Tests später erstellten die Forscher eine detaillierte Karte des Belohnungssystems im Gehirn. Es besteht aus einer Reihe von Arealen und Nervenverbindungen. Haupt-Akteur im System ist der „Glücksbotenstoff“ Dopamin. Wissenschaftler sprechen daher auch vom mesocortikolimbischen dopaminergen Belohnungssystem.

Das Ganze ist wie ein Schaltkreis: Ein Auslöser von außen, etwa der Anblick oder der Duft des leckeren Stückchens Schokotorte, lässt das limbische System reagieren. Es generiert einen Drang, den die Großhirnrinde als bewusstes Verlangen erfasst. Sie gibt dem Körper daraufhin die Anweisung, dieses Verlangen zu stillen. Ist das Verlangen gestillt, baut sich der Botenstoff im Hirn wieder ab. Da dieses Erleben aber Lustvoll ist, suchen (~ Sucht, obwohl das nicht ganz korrekt ist) wir den nächsten Kick, finden diesen und der Kreis ist geschlossen. Genau so (s. BOX).

INFO-BOX Ist der erste Happen im Mund und später der Magen gefüllt, treten das Tegmentum und die Substantia nigra im ventralen Teil des Mittelhirns in Aktion. Die Neuronen projizieren zum Striatum und zum limbischen System, etwa zum Nucleus accumbens, in dem das Glücksgefühl entsteht, und zur Amygdala, die Erregung verarbeitet, also affekt- oder lustbetonte Empfindungen, und schütten dort Dopamin aus. Außerdem gelangt der Botenstoff in den Hippocampus. Hier fließen die Informationen verschiedener sensorischer Systeme zusammen, werden verarbeitet und an den Cortex zurückgesandt. Der Hippocampus ist daher wichtig für das Gedächtnis und das Lernen. So kommt es, dass ein Kleinkind, nachdem es das erste Mal Schokolade genascht hat, immer wieder nach einer süßen Leckerei verlangt. Bitteres oder Saures wird es dagegen meiden. Zuletzt gelangt das Dopamin auch in die Großhirnrinde.
Konditionierung bei Kindern

Stimmt überhaupt der Inhalt?

Ob gut oder nicht (es gibt dazwischen noch einen weiteren Zustand: existent), werden, weil das alles mehr oder weniger umfassend bekannt ist, schon Kleinkinder darauf konditioniert. Die klare Abgrenzung ist, dass eine Konditionierung als (probates) Mittel durchaus ihren Sinn hat. So wie hier dargestellt zeige ich auf die Inhalte, womit und wofür belohnt wird. Ich bin der Überzeugung, dass es Zeit wird, diese Inhalte gegen bessere, agilere oder zumindest zeitgemäßere auszutauschen. Es 'rieselt' (Muff?) aus unserem Bildungs- und Erziehungssystem. Und was hat das mit Agile zu tun? "Was Hänchen nicht lernt, wird Hans schwer(er) die Kurve kriegen ..."

Mythen Motivation

Folge von Mögen oder Verlangen?

Recht lange gingen die Forscher davon aus, dass Dopamin, das durch den obigen Effekt ausgeschüttet wird, den Lustgewinn verursachen würde. Menschen und Tiere (bei denen es zweifelsfrei nachgewiesen wurde) würden demnach vermehrt aktiver agieren, weil Dopamin ihnen ein Hochgefühl beschert, nach dem sie dann immer wieder verlangen.

Der Neuroforscher Kent Berridge von der University of Michigan liess diesen theoretischn Schluss 1996 wanken: Berridge trennte und deaktivierte bei Laborratten entscheidende Verknüpfungen der Nerven nahe dem lateralen Hypothalamus. Bestehende Verbindungen zwischen dopaminergen Mittelhirnneuronen zum Striatum und zum Nucleus accumbens wurden dadurch unterbrochen. Es führte zu einer verminderten Dopaminkonzentration in diesen Bereichen im Hirn der Tiere.

Als Folge darauf hörten die Ratten auf zu fressen, also aktiv nach Futter zu suchen. Legte der Forscher ihnen aber einen Bissen auf die Zunge, reagierten sie wie normale Nager und verzehrten das Leckerchen. Berridge schloss daraus, dass die Tiere die Nahrung grundsätzlich schon mögen, aber kein Verlangen mehr danach haben. Ihnen fehlt schlicht die Motivation, nach Futter zu suchen. Und genau das ist der Unterschied, der im Kopf zu suchen ist.

In vielen Aufträgen habe ich Team-Mitglieder (IT-Leiter, Developer oder PO`s) gehabt, die Ihre Aufgabe mögen ... (mehr aber auch nicht.) Was meinen Sie: Ist das (nur) bedenklich oder besorgniserregend?

Tests mit gesunden, also nicht manipulierten Ratten verstärken dieses Ergebnis: Wurden bei ihnen die dopaminergen Axonen im lateralen Hypothalamus stimuliert, entwickelten diese Tiere ein intensives Verlangen nach Futter, ohne dass dabei ihr Lustgewinn zunahm. Dieses Verhalten hat (leider) reale Parallelen: Das Verhalten von Süchtigen: Zahlreiche Drogen wirken direkt oder indirekt auf die Ausschüttung von Dopamin ein - und damit ist z.B. auch Zucker-(Wasser wie Cola), geschmackliche Verstärker (Hamburger-Effekt) oder Schokolade gemeint, nicht nur das ‘böse Zeugs’, vor dem wir versuchen, unsere Kinder zu schützen. Darum beschäftigt sich auch die Suchtforschung intensiv mit der Mechanik des mesocortikolimbischen Systems.

Begierde als treibender Motivator

Anders als die Hirnforschung lange vermutete, ist für das eintretenden Hoch- und Glücksgefühl, wenn wir bekommen, wonach wir uns sehnen, nicht das Dopamin, also der Botenstoff selbst, verantwortlich. Diese Rolle kommt den körpereigenen Opiaten zu, den Endorphinen, sowie anderen Botenstoffen wie dem Oxytocin. Dopamin ist “nur” der Neurotransmitter der Belohnungserwartung. Denken Sie an den leckeren Kuchen oben. Denn es ist nicht die leckere Speise selbst, die uns den Dopamin-Kick verpasst, sondern der Anblick des genüsslich kauenden Gegenübers mitsamt Speise selbst kurbelt das Dopaminsystem an und generiert dieses tiefe Verlangen. Das Nachgeben aktiviert das mesocortikolimbische System, das immer dann aktiv wird, wenn wir eine Belohnung erwarten. Es geht also nicht um die Genussbefridigung des Essens selbst, sondern um die Antizipation dessen, was Freude bereiten könnte. Das findet alles NUR im Kopf statt, ohne dass ein “Stück Kuchen” über unsere Lippen gegangen ist.

Agile Motivation - hilft belohnen?

3S: Sport, Sex und Sonne

Jetzt wissen wir es: Körpereigene Drogen machen süchtig – Endorphine, Serotonin, Dopamin und Adrenalin sind nur vier von vielen körpereigenen Drogen und Hilsmittelchen auf dem Weg, uns gut zu fühlen, die für Rauschzustände sorgen und abhängig machen. Der Rausch fühlt sich gut an: Es Ffrisch verliebt, einen Orgasmus zu erleben, ekstatisch zu tanzen oder beim Joggen an seine Leistungsgrenzen zu gehen. Dies sind die Momente, in denen der Körper euphorisierende und leistungssteigernde Stoffe produziert – und bei der Arbeit? Fehlanzeige!

Wann haben Sie zuletzt, ja, ist etwas PROvokant, folgendes (so in de Art) gesehen: Einen ...

  • verklärt grinsenden Entwickler, komplett im Flow, bei seinem coding?
  • IT-Admin, der seine Server (Schränke) liebevoll “seine Kinder” nennt?
  • PO, der fröhlich pfeifend in JIRA (o.ä.) seine Tickets konsolidiert?
  • relaxten Scrum-Knecht, der dem Ober-”Mufti” seine(!) Impediments entfernt?

Von körpereigenen Drogen in diesem Zusammenhang ist in unterschiedlichen Konstellationen immer wieder die Rede. Bei der Arbeit nicht. Bitterböse: Arbeit soll auch keinen Spass machen! Sonst wäre es ja Belustigung! Unerhört - wo kommen wir denn da hin?  Und wie und wo kann auf dieser Basis Agilität entstehen? Ohne jede Motivation? Die schlimmste Vermutung ist: Gar nicht - und das ist oft gefühlte Realität. Beweis:

Adrenalin und Endorphine, Serotonin und Dopamin sind nur vier der bekanntesten Stoffe, die den Körper in Rausch versetzen. Zur Bildung von Serotonin braucht der Körper Licht. Serotonin wirkt wie ein Antidepressivum und ist dafür verantwortlich, dass sich bei Sonne auch die Laune bessert. (Wo wird oft entwickelt?) Gleichzeitig wirkt Serotonin entspannend und beruhigend. Bei einem Solariumsbesuch oder einem ausgedehnten Sonnenbad wird Serotonin ausgeschüttet. Sehen Sie mal in den Keller - Sie kommen drauf - in meinem scheint keine Sonne.

Schuhe kaufen, Flow und gedachter Mord

Es wirkt - erst recht abwesend

Dopamin wird auch als das Glücks- oder Belohnungshormon bezeichnet. Es kann beim Kauf neuer Schuhe ebenso entstehen wie bei sogenannten Flow-Erlebnissen, also dann, wenn man ganz in eine Tätigkeit vertieft ist. Auch für das Gefühl auf Wolken zu schweben, wenn man frisch verliebt ist, ist ein hoher Dopaminspiegel verantwortlich. Wenn Sie eine Aufgabe richtig interessiert, ist es bis zu Flow nicht mehr weit. In deutschen Stuben wird der primäre Gelderwerb vor dem Flow gefördert - so wird das nichts ...

Mit Adrenalin an Mord gedacht

Adrenalin, das in der Nebenniere gebildet wird, wird in Stresssituationen ausgeschüttet: Der Blutdruck steigt, das Herz schlägt schneller, die Aufmerksamkeit wird schlagartig fokussiert und konzentriert, Energiereserven werden gebündelt und mobilisiert - um weg zu laufen. Adrenalin ist eine leistungssteigernde körpereigene Droge. Zusammen mit den Endorphinen, die Schmerz und Hunger unterdrücken und wie körpereigenes Morphium wirken, entsteht ein euphorischer Alarmzustand, der entweder in einem ein Glücksgefühl - oder in einem Tötungswunsch endet. Und wer es einmal erlebt hat, der will es immer wieder - das viel seltere Glücksgefühl (auch bekannt als Eustress.) Der Tötungswunsch überwiegt in der realen Welt, der auch negativer Stress (Dystress) genannt wird. Zählen Sie mal morgens in Bus, Bahn oder an der Ampel die Gesicher, die richtig glücklich aussehen? Sie sehen “in die Röhre” …, ebenso abends, 18 Uhr auf dem Weg nach Hause.

Nebenwirkungen haben die körpereigenen Drogen keine bekannten, süchtig machen können sie sehr wohl. Sie sind dafür verantwortlich, dass Menschen den Kick in wechselnden (Sex-) Partnern, im Extremsport, oder übermässigen Sonnenbädern suchen. Obwohl all das und es ist nicht unbekannt, zu viel Sonne Hautkrebs verursacht, Seitensprünge eine Beziehung gefährden und Extremsport nicht gesundheitsfördernd ist. Ganz Platt und einfach: “Drogen können töten. Punkt. Egal wo diese herkommen. Selbst eine vordergründig substanzgebundene Sucht wie bei Alkohol- oder Kokain-Missbrauch ist nach neuen Erkenntnissen eine Verhaltenssucht. Das heißt, es werden immer wieder gezielt Situationen aufgesucht, die den Rausch versprechen. Nun ist nicht jeder, der gerne mal eine sportliche Herausforderung sucht oder Spaß am Sex hat, süchtig. Ob jemand suchtanfällig ist, hängt auch von der Persönlichkeit des Einzelnen ab.

Verhalten: Vordergründig = nachhaltig?

Bitte das Bessere - mit Sinn!

Fazit: Hier ist jetzt der Abschluss der Brücke, die zuvor erstmal gebaut werden musste. In dem Artikel Verhalten behalten bin ich schon aus einem anderen Blickwinkel an das Thema herangetreten. Mein Fazit ist: Agilität ist (auch) das Erkennen der Mechanik um Drogen, das Loslösen von Bewertungen ala gut oder schlecht und egal wie und wo diese herkommen. Sie, die Drogen sind existent und sind ein Bestandteil der evulotorischen Entwicklung (aha: Entwicklung, zum besseren = Evolution).

Das sollte auch in allen Hirnen stattfinden, diese Evolution zum besseren. Ich wünsche mir, dass in vielen (noch existierenden Silos, Abteilungen und Macht-Räumen) dieser Beitrag gelesen und diskutiert wird. Die folgende Erkenntnis ist nicht diskutabel:

Nicht DIE Arbeit wird gemacht, sonder Menschen MACHEN die Arbeit (ob gut oder nicht ist ein anderes Thema.) Entscheidend ist, was ich einerseits mit dem Wissen um Drogen (für) mich mache und andererseits, ob und wie diese Erkenntnisse für jeden, auch meinen Beruf (hier klammere ich all diejenigen, die nur einen Job ohne Überzeugung erledigen, einfach wg. fehlendem (setzen Sie gewünschtes ein) aus) sinnstiftend genutzt werden kann.

Meine Wahl ist: JA, es kann. Allein die Erkenntnis, dass Sie und ich mehr Zeit mit (um in der tayloristischen Terminologie ‘Arbeit’ zu bleiben), genau dieser lusttötenden Tätigkeit als mit Ihrem Partner / Freunde oder Kinder, verbringen, sollte ein klatschendes Geräusch in Ohrenhöhe erzeugen. Arbeit muss gemacht werden, ohne Zweifel - aber warum ohne Spass und Befriedigung? Natürlich wird es Ausnahmen geben. Und doch, wir schaffen es nach wie vor (erfolgreich), uns mit Dingen, die uns weder befriedigen noch Spaß und Freude bereiten, das Leben (also die gesamte Zeit, die wir haben) zu verderben. Irgend etwas machen wir da immer noch (richtig!) falsch, oder?

Selbst Denken - befeuern verbrennt

Befeuern, verbessern, agil werden und bleiben

Die Agilität, in meiner Welt ein erheblicher Teil des selbst und ständigen Denkens, Reflektierens und aus den Ergebnissen lernen, mit Drogen zu befeuern, halte ich für ein ein (Stroh-) Feuer. Wie jedes Feuer, ist dieses über kurz oder lang abgebrannt. (Wo kommt der Begriff "Burnout" her?) Alleine der Gedanke, Glück in Form von extern zugeführten Drogen kaufen zu können, ist ein manipulierter, sehr geschickt gesteuerter Trugschluss. Es geht nicht. Punkt.

Glück entsteht durch innere Haltung. Die Frage ist: Wie gehen wir alle, schon in der ((früh-) kindlichen) Bildung motivatorisch und konstruktiv manipulativ damit um? Und wer muss Ignoranz, kurzfristiges Erfolgsdenken und Machtstreben ausbaden? Damit lasse ich Sie jetzt mal alleine ... denn Sie kommen drauf.

Notwendige Abgrenzung

Irritationen helfen nicht(s) - und Niemanden

Natürlich habe ich mich lange (im Vorfeld) dieses Artikels mit dem Thema im allgemeinen beschäftigt. Die derzeitigen Diskussionen sind mir mit all ihren Auswirkungen gut bekannt und ich sehe da sehr genau hin - auch IN die Gesellschaft (und den Umgang damit). Ich distanziere mich von Drogen, Mitteln und Wegen, die von außen hergestellt und in der Gesellschaft (leider oft und zum Leid) genutzt oder gar missbraucht werden. 

Ich bedauere auch den Umgang mit sog. gesellschaftlich akzeptierten Drogen. Nach dem Lesen des Artikels wird klar, warum. Hier geht es um Agilität, die inneliegende Mechanik der Drogen und wie man, Sie, auch ich, z.B. motivatorisch, die reine Mechanik für sich und andere zum Vorteil im Sinne eine Verbesserung, die allen nützt, einsetzen kann.

Guten Quellen sind:
http://www.zeit.de/wissen/2014-04/drogenkonsum-deutschland-uebersicht
http://www.zeit.de/thema/drogen
http://www.mimikama.at/allgemein/drogen-getarnt-als-harmlose-bonbons-nun-auch-in-smarties/

Hier.(mit).teilen:

About the author

Kopitzke®, ´64*. Agilist und Resource Manager aus Überzeugung. Erfahrung, PROgressives Denken und positiv PROvokantes Handeln haben einen eigenen Charakter. Eine agile PROfi (An-)(Sichts-) Sache. Frei ist (einseitig) objektiv, gefallen (zweiseitig) subjektiv. Mehr …

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